2/27/2014

keine (normale) Rezension / Anna Seidl über: keine Helden ...

Dies ist keine Rezension. Aber dennoch möchte ein bisschen meine Meinung zu diesem sehr ungewöhnlichen und für mich unheimlich berührenden Buch abgeben. Das meiste werde ich durch Zitate sagen und vielleicht, ganz vielleicht, kann ich euch dieses ernste Thema doch ein bisschen näher bringen.

Aber dann ändert sich alles. 

Aber wisst ihr, das Problem ist, dass man all das vorher nicht weiß. 
(S. 7)



Es ist weder grausam, noch übertrieben, noch entsetzend. Es ist das Leben wie es in einem der schlimmsten Szenarien spielen kann. Es ist ein Amoklauf an einer Schule. Miriams Leben wird an diesem einen Schicksalhaften Tag vollkommen verändert. Auf den Kopf gestellt. Es stirbt. Und doch ist es alles andere als Schicksal ...
Unser Handeln bringt unweigerlich neue Konsequenzen mit sich. Oft sind diese Taten bedeutender, als wir denken.
 (S. 156) 
Der schlimmste Tag in Miriams Leben und zugleich der bedeutenste. Es ist schwer zu begreifen was passiert, wenn es passiert und doch ändert es das Leben aller beteiligen. Dies muss auch die Hauptperson, geschaffen von Anna Seidl, auf eine besonders harte Tour lernen. Dieser Tag ändert alles. Heute bist du du. Und schon Stunden später bist du jemand ganz anderes. 
Entweder es trifft dich ... oder eben nicht. Wenn es dich trifft - tja, dann hast du eben Pech gehabt. Und wenn nichts passiert? Hast du eigentlich ein Riesenglück, nur weißt du es gar nicht.
(S. 225)

Es ist schwer in Wort zu fassen was dieses Buch ausmacht. Der eigensinnige Schreibstil mag nicht jedem zusagen. Das ungewöhnliche Thema lässt keinen Raum für Helden, womit der Titel mehr als passend ausgewählt wurde, denn er greift genau das auf, was den Leser ab der erste Seite erwartet. Es ist bedrückend, unschön und realer als manch einer erwarten würde. Die Geschichte erzählt die Geschehnisse besonders authentisch - es ist viel eher Wahrheit und Wirklichkeit als es Filme zeigen können und zugleich ist es doch keine Dokumentation. Es ist das Leben von Miriam. Es ist das Leben vieler anderer. 
Denn das Leben ist es, wovor wir Angst haben sollten. Während der Tod die Erlösung ist, zwingt uns das Leben immer wieder in die Knie.
(S. 32)
Es wird keine Helden geben ist fesselnd wie ein Unfall und man kann einfach nicht wegsehen - das Buch einfach nicht weglegen. 
Da ist so ein Gefühl im Bauch, als stünde ich kurz vor dem Abgrund. Man weiß genau, was kommt. Und trotzdem kann man nichts tun.
(S. 76)
Anders als vielleicht erwartet ist diese Geschichte nicht durchzogen mit Melancholie und dergleichen. Ehrlich gesagt ist es eine sehr nüchterne Sicht der Dinge aus den Gedanken der Schülerin, die so viel verloren hat, so dass sie im Überlebensmodus über das Geschehene nachdenkt und sich sogar über den Auslöser Gedanken macht. Überraschenderweise - oder eigentlich auch gar nicht so überraschend - wird Miriam nach diesem Amoklauf Erwachsener. Heißt es nicht, dass es die Erfahrungen sind an denen wir wachsen, welche uns reifen lassen?

Um dieses erdrückende Thema etwas aufzulockern lässt die Autorin Miriams Erinnerung an schönere Zeiten einfließen. An das wie es war, an das was war. An Freundschaften, an Liebe. Da diese Rückblickenden Passagen perfekt zum Rest des Buches passend sind sie umso trauriger und zugleich wie ein Lichtblick. Und gemeinsam mit Miriam erlebt der Leser die Zeit DANACH in all seinen Facetten der Triste, Trauer, Einsamkeit und des Kampfes um eine Normalität die es so nie wieder geben wird.
Ich würde die Welt gerne wieder betrachten wie früher. Denn so blöd es auch klingt, die Welt sieht jetzt einfach ganz anders aus. Greller. Oberflächlicher. Größer.
(S. 160)
Neben dem großen Thema AMOKLAUF darf allerdings auch nicht der ebenso wichtige Teil MOBBING fehlen. Denn auch wenn die Frage der Schuld für einige so klar zu sein scheint ist das, was ein Mensch einem anderen antut durchaus ausschlaggebend für folgende Taten. Es gibt keine Rechtfertigung und ebenso wenig gibt es gerechtfertigte Gründe und doch gehen Miriams Gedanken genau in die richtige Richtung. Diese Gedanken lenken auch die des Lesers. Habt ihr schon einmal darüber nachgedacht, was die kleinsten Sticheleien und Beleidigungen einem Menschen antun? Oder, dass jemanden auszugrenzen eine Person einsam macht? Schon mal überlegt, dass was du sagst und tust, und sei es in dem Moment für dich auch witzig, einer anderen Person den Boden unter den Füßen weg zeiht?
Nichts bleibt - das lernen wir, wenn wir erwachsen werden. Wir können nichts festhalten. Nicht mal uns selbst.
(S. 232)
Ein unglaubliches Buch, das von einer jungen Autorin mit unglaublicher Klarheit verfasst wurde. Es stecken so viele Weisheiten darin, die sich jeder sowohl zu Herzen nehmen, als auch einfach verinnerlichen sollte. Es wird keine Helden geben. Und das wird es vermutlich tatsächlich nicht - wenn, dann wirklich nur in sehr seltenen Ausnahmen. 
Jeder lebt nur ein einziges Mal. Jeder ist etwas Besonderes. Und deswegen zerstört man nicht nur einen Menschen, sondern eine ganze Welt. Deshalb hat niemand das Recht, eine Waffe auf dich zu richten. Niemals.
(S. 251)


Mich lässt all dies vor allem sehr nachdenklich zurück ...



Kommentare:

  1. Wunderbar auf den Punkt gebracht - mich hat das Buch auch wahnsinnig berührt und nachdenklich gemacht.

    LG, Claudia

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  2. Hallo Sarah,

    ich fand das Buch damals auch sehr bewegend und freue mich, dass es dir genauso gegangen ist. Ich fand den Titel auch absolut passend. Schöne Art, das Buch mit den Zitaten darzustellen. Gefällt mir in diesem Fall besser als eine klassische Rezension!

    LG Desiree

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  3. Ich kenne das Buch nicht, spreche aber ein großes Lob für diese Rezension aus. Wunderbar gemacht. Sehr ansprechend.

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  4. Ja, es ist wirklich ein wahnsinnig gutes Buch. Und ja, du hattest Recht. (^_^)

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